Cholestatische Leberwerte ohne offensichtliche gutartige Ursache2
Den Behandlungspfad
beim Cholangiokarzinom verstehen
Der diagnostische Pfad bei Cholangiokarzinom
- Das Cholangiokarzinom wird häufig erst spät erkannt und zeigt subtile oder unspezifische Anzeichen.1 Der diagnostische Pfad kann komplex sein, und eine effektive Tumorprobengewinnung ist sowohl für eine genaue Histologie als auch für eine Multi-Biomarker-NGS essenziell1–4
- Eine klare Kommunikation zwischen Radiologie, Endoskopie, Chirurgie, Pathologie und Onkologie trägt dazu bei, eine geeignete Biopsie sicherzustellen und die Gewinnung von für die molekulare Profilierung geeignetem Gewebe wahrscheinlicher zu machen5,6
Wann ein Cholangiokarzinom in Betracht gezogen werden sollte
Gewichtsverlust, Fatigue oder abdominelle Beschwerden unklarer Ursache1
Gallengangsdilatation oder -striktur in der Bildgebung1,2
Atypische Leberraumforderung in einer nicht zirrhotischen Leber1,7
Anamnestisch bekannte primär sklerosierende Cholangitis oder andere bekannte Risikofaktoren1,2
Wichtige Schritte vom ersten Verdacht bis zur molekularen Profilierung
-
Erster Verdacht
Wiederholt cholestatische Leberwerte, unerklärter Gewichtsverlust oder atypische Leberläsionen in der Bildgebung können Anlass zur Abklärung eines Cholangiokarzinoms geben.1
-
Bildgebung
Die kontrastmittelverstärkte CT und/oder MRT/MRCP helfen dabei, die Tumorlokalisation, Gallenwegsbeteiligung und potenzielle Resektabilität zu beurteilen.1,2
-
Multidisziplinäre Fallbesprechung
Radiologie, hepatobiliäre Chirurgie, Gastroenterologie, Onkologie und Pathologie stimmen den diagnostischen Plan ab und bestimmen die am besten geeignete Stelle und Methode für die Biopsie.2
-
Biopsie oder Zytologie
Das Vorgehen wird an die Anatomie angepasst: perkutane Stanzbiopsie, ERCP-basierte Probenentnahme oder EUS-gesteuerte Gewebegewinnung.5,8
-
Histopathologie
Die Diagnose wird gestellt. Die Pathologie beurteilt die Tumorzellularität und wählt das für die NGS am besten geeignete Material aus.4,8
-
Molekulare Profilierung
Mittels NGS werden klinisch relevante molekulare Alterationen beim Cholangiokarzinom untersucht.4,9
-
Multidisziplinäre Interpretation
Die Ergebnisse werden zusammen mit klinischen und radiologischen Befunden bewertet, um systemische Therapieoptionen festzulegen und mögliche klinische Studien in Betracht zu ziehen.3,6
Auswahl des am besten geeigneten Biopsieverfahrens
Die Wahl des richtigen Biopsieverfahrens ist entscheidend. Ziel ist es, sicher hochwertiges Material zu gewinnen, das sowohl die Diagnose als auch die molekulare Profilierung unterstützt. Das effektivste Vorgehen hängt von der Tumorlokalisation und der Anatomie der Gallenwege ab.5,6
Intrahepatische Raumforderung5,6
- Bevorzugte Probenentnahme: ultraschall- oder CT-gesteuerte Stanzbiopsie
- Praktische Hinweise:
- Soweit sicher möglich, sollte mehr als eine Stanze entnommen werden
- Visieren Sie vitales Tumorgewebe an und vermeiden Sie eindeutig nekrotische Bereiche
- Informieren Sie die Pathologie, dass eine NGS geplant ist, damit die Stanzen entsprechend triagiert werden können
Perihiläre Gallengangsstriktur2,4
- Bevorzugte Probenentnahme: ERCP mit Bürstenzytologie ± intraduktaler Biopsie
- Praktische Hinweise:
- Mehrere Passagen können die Zellausbeute erhöhen
- Fordern Sie nach Möglichkeit die Erstellung eines Zellblocks an, um weiterführende Untersuchungen zu unterstützen
- Vermerken Sie die geplante potenzielle molekulare Profilierung ausdrücklich auf dem Anforderungsformular
Distaler Gallengang10
- Bevorzugte Probenentnahme: EUS-gesteuerte FNB oder FNA
- Praktische Hinweise:
- Sofern verfügbar, kann zur Gewinnung von Stanzgewebe eine FNB bevorzugt werden
- Mehrere Passagen unterstützen die diagnostische Genauigkeit und molekulare Eignung
- Eine Minimierung der Probenkontamination kann dazu beitragen, die Nukleinsäurequalität zu optimieren
Verdächtiger Lymphknoten oder metastatische Läsion5
- Bevorzugte Probenentnahme: EUS-gesteuerte oder bildgesteuerte Stanzbiopsie (je nach Lokalisation)
- Praktische Hinweise:
- Wählen Sie vorzugsweise eine Stelle, die gut zugänglich ist und wahrscheinlich Tumorgewebe enthält
- Stellen Sie sicher, dass ausreichend Material sowohl für die Histologie als auch für die NGS zurückbehalten wird
Operationspräparat/laparoskopische Biopsie5
- Bevorzugte Probenentnahme: Resektion oder gezielte intraoperative Biopsie
- Praktische Hinweise:
- Eine präoperative oder intraoperative Abstimmung mit der Pathologie trägt dazu bei, eine optimale Gewebetriage sicherzustellen
- Identifizieren Sie Blöcke oder Bereiche, die die Nukleinsäureintegrität für die molekulare Profilierung erhalten
Optimierung von Biopsieproben für eine erfolgreiche molekulare Profilierung
Vor dem Eingriff4,5
- Bestätigen Sie, dass eine molekulare Profilierung geplant ist
- Wählen Sie das sicherste und repräsentativste Biopsieziel aus
- Informieren Sie die Pathologie, damit sie die Tumorbeurteilung und Blockauswahl vorbereiten kann
- Prüfen Sie die lokalen Assay-Anforderungen (z. B. Tumoranteil und Probentyp)
Während des Eingriffs4,5
- Gewinnen Sie soweit sicher möglich mehrere Stanzen/Passagen
- Visieren Sie vitale, nicht nekrotische Tumorbereiche an
- Stellen Sie bei der Zytologie sicher, dass ausreichend Material für einen Zellblock verfügbar ist
- Kennzeichnen Sie Proben, die für die molekulare Profilierung verwendet werden könnten, eindeutig
Nach dem Eingriff5,6
- Bestätigen Sie eine sachgerechte Fixierung und Handhabung; vermeiden Sie eine unnötige Entkalkung
- Fordern Sie eine Einschätzung der Tumorzellularität und möglicher Einschränkungen für die NGS an
- Wenn der Tumoranteil gering ist oder die NGS fehlschlägt, besprechen Sie eine erneute Biopsie oder alternative Strategien mit dem multidisziplinären Team
Warum Biopsieproben für die molekulare Profilierung ungeeignet sein können
- Geringer Tumoranteil6
Vorgehen: Visieren Sie nach Möglichkeit Regionen mit radiologisch höherer Tumordichte an und fordern Sie, sofern möglich, eine Makrodissektion durch die Pathologie an - Unzureichendes Gewebevolumen6
Vorgehen: Innerhalb der Sicherheitsgrenzen sollte mehr als eine Stanze für Histologie und NGS gewonnen werden - Zytologie ohne verwertbaren Zellblock5
Vorgehen: Fordern Sie bei der Einsendung von Bürstenabstrichen oder Aspiraten, die voraussichtlich für die molekulare Profilierung verwendet werden, die Erstellung eines Zellblocks an - Hämorrhagische oder stark nekrotische Proben5,6
Vorgehen: Passen Sie die Nadelposition oder Zielregion an, um Blutkontaminationen zu reduzieren und offensichtlich nekrotische Bereiche zu vermeiden - Suboptimale Fixierung oder Verarbeitung5
Vorgehen: Arbeiten Sie mit der Pathologie zusammen, um lokale Protokolle für Fixierungsdauer und -bedingungen einzuhalten und Verarbeitungsschritte zu vermeiden, die die Nukleinsäurequalität beeinträchtigen könnten, sofern Alternativen verfügbar sind
Was tun bei unzureichendem Gewebe für die NGS?
Erneute Biopsie4
Eine weitere Biopsie kann erwogen werden, wenn das Ausgangsmaterial nicht diagnostisch verwertbar ist oder unterhalb der Tumoranteil-Schwellenwerte für die NGS liegt. Dabei sollten der klinische Nutzen und das Eingriffsrisiko gegeneinander abgewogen werden.
Plasma-ctDNA11,12
Eine ctDNA-Testung kann therapeutisch relevante Informationen liefern, wenn eine Gewebeentnahme nicht möglich oder fehlgeschlagen ist, wobei die Sensitivität je nach Tumorlast, Assay und Zielstruktur variiert.
Aus Galle gewonnene cfDNA13,14
Aus Galle gewonnene cfDNA wird im Rahmen biliärer Eingriffe als zusätzliche Quelle für Tumor-DNA untersucht. Ihre Anwendung ist derzeit auf Zentren mit spezifischer Expertise beschränkt und sollte als sich weiterentwickelnder Ansatz und nicht als Routineverfahren betrachtet werden.
CCA: Cholangiokarzinom; cfDNA: zellfreie Desoxyribonukleinsäure; CT: Computertomographie; ctDNA: zirkulierende Tumor-Desoxyribonukleinsäure; DNA: Desoxyribonukleinsäure; ERCP: endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie; EUS: endoskopischer Ultraschall; FNA: Feinnadelaspiration; FNB: Feinnadelbiopsie; MRCP: Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie; MRT: Magnetresonanztomographie; NGS: Next-Generation Sequencing.
Literatur: 1. Banales JM, et al. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2020;17(9):557–588; 2. Vogel A, et al. Ann Oncol. 2023;34(2):127–140; 3. Vogel A, Ducreux M. ESMO Open. 2025;10(1):104003; 4. Stenzinger A, et al. Cancer Treat Rev. 2024;122:102649; 5. Kendall T, et al. JHEP Rep. 2024;6(6):101067; 6. Madoff DC, et al. Oncologist. 2022;27(10):884–891; 7. Fung BM, et al. World J Gastroenterol. 2019;25(6):659–671; 8. de Scordilli M, et al. ESMO Open. 2025;10(5):105079; 9. Barsch M, et al. J Gastrointest Cancer. 2026;57(1):15; 10. Orzan RI, et al. Diagnostics (Basel). 2023;13(6):1023; 11. Fassan M, et al. Crit Rev Oncol Hematol. 2024;194:104224; 12. Wang Y, et al. Front Cell Dev Biol. 2025;13:1616064; 13. Arechederra M, et al. Gut. 2022;71(6):1141–1151; 14. Driescher C, et al. Cancers (Basel). 2020;13(1):39.